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Die Vier-Elemente-Lehre

Wer sie nicht kennte, die Elemente,  ihre Kraft und Eigenschaft, wäre kein Meister über die Geister.  (Goethe: Faust I)

 

Die historischen Hintergründe

Die Vier-Elemente-Lehre stammt aus der Antike und wurde maßgeblich von Empedokles geprägt, der etwa um 494 v. Chr. geboren wurde und um 434 v. Chr. starb. Nach dieser Lehre besteht alles Existierende aus den vier Grundelementen Feuer, Luft, Wasser und Erde, wobei es zwei Urkräfte gibt – Liebe und Hass – die diese Elemente mischen und trennen. Mit diesen Elementen sind aber nicht die natürlichen Erscheinungen gemeint, die wir üblicherweise mit diesen Begriffen bezeichnen, sondern die entsprechenden Grundprinzipien, die diesen Erscheinungen zugrund liegen.

 

Mit dieser Lehre knüpfte Empedokles an Ideen von Thales, Anaximedes und Heraklit an, die sehr unterschiedliche Vorstellungen hatten, welches dieser Elemente der eigentliche Urstoff sei. Thales (ca. 624 v. Chr.- um 546 v. Chr.) war der Ansicht, das alles aus dem Wasser entstanden sei. Für Anaximenes (ca. 585 v. Chr. – ca. 525 v. Chr.) war es die Luft. Und Heraklit (geboren zwischen 540 und 535 v. Chr.; gestorben zwischen 483 und 475 v. Chr.) meinte, dass das Feuer der Urstoff wäre. Bei Empedokles sind alle vier Elemente gleichberechtigt. Bei ihm gibt es also kein Ur-Element, aus dem sich die anderen Elemente entwickelt hätten, sondern die Elemente sind nach seiner Ansicht unveränderlich und unvergänglich. Zu den vier Elementen wurde später von Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.) noch der Äther als die Quintessenz hinzufügte, die den anderen vier Elementen zugrunde liegt. (Quintessenz bedeutet wörtlich übersetzt „das fünfte Seiende“.) Im Buddhismus gibt es interessanterweise eine sehr ähnliche Fünf-Elemente-Lehre mit Feuer, Luft, Wasser, Erde und Leere (nicht zu verwechseln mit den fünf Elementen der traditionellen chinesischen Medizin mit Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser).

 

Die Vier-Elemente-Lehre finden wir heute noch in der Astrologie, wo Widder, Löwe und Schütze als Feuer-Zeichen gelten, Zwillinge, Waage und Wassermann als Luft-Zeichen, Krebs, Skorpion und Fische als Wasser-Zeichen und Stier, Jungfrau und Steinbock als Erdzeichen.

Auch die vier Farben des Kartenspiels Kreuz, Pik, Herz und Karo kann man den vier Elementen zuordnen. In der Literatur ist es üblich, dass das Kreuz dem Element Feuer zugeordnet wird, Pik dem Element Luft, Herz dem Element Wasser und Karo dem Element Erde. Abweichend von der Literatur komme ich aber – wenn ich die symbolischen Bedeutungen betrachte – zu einer anderen Zuordnung: Kreuz entspricht meiner Ansicht nach Erde und Karo entspricht Feuer. Das Kreuz ist ein typisches Erdsymbol und Karo nennt man in England „diamonds“. Der Diamant entspricht von der Symbolik her dem Feuer, denn auch vom Diamanten sagt man, dass er Glut oder Feuer habe.

 

Manchmal begegnen uns heute noch die Begriffe aus der Temperamente-Lehre des Hippokrates (460 v. Chr. –375 v. Chr.), die ebenfalls auf der Vier-Elemente-Lehre basiert. Dabei wird üblicherweise der Choleriker dem Feuer zugeordnet, der Saguiniker der Luft, der Phlegmatiker dem Wasser und der Melancholiker der Erde. Bei manchen Quellen (z.B. Franz Bardon) werden Phlegmatiker und Melancholiker genau entgegensetzt zugeordnet (was mir persönlich auch logischer erscheint). Eng verwand mit der Temperamente-Lehre war auch die Vier-Säfte-Lehre mit Blut ( Luft), gelber Galle (Feuer), schwarzer Galle (Erde) und Schleim (Wasser). Diese Vier-Säfte-Lehre wurde bis ins 19. Jahrhundert angewendet und geht zurück auf den berühmten Arzt Galen, der von ca. 129 n. Chr. bis ca. 216 n. Chr. lebte.

 

Die Vier-Elemente-Lehre begegnet uns auch in der Hermetik.

In den Smaragdtafeln des Hermes Trismegistos heißt es z.B.:

Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter der Mond.
Der Wind hat es in seinem Bauch getragen.
Seine Nährmutter ist die Erde.

 

Die Sonne entspricht in diesem Fall dem Element Feuer, der Mond dem Element Wasser, der Wind dem Element Luft und die Erde natürlich dem Element Erde. Die meisten dieser Entsprechung sind ganz offensichtlich und selbstverständlich, aber es stellt sich natürlich schon die Frage: Was hat der Mond mit dem Wasser zu tun? – Es ist zunächst einmal der fahle, silberne Mondschein, der farblich an das Wasser erinnert. Weiterhin gibt es einen Zusammenhang zwischen der Stellung des Mondes und den Gezeiten. Darüber hinaus gibt es aber auch einen indirekten Zusammenhang: Sowohl der Mond als auch das Wasser sind nämlich Symbole für das Seelische und Emotionale. Die Dreiheit von Sonne, Mond und Erde galt in der Antike als ein Gleichnis für Geist, Seele und Körper.

Wenige Zeilen später heißt es dann in den Smaragdtafeln:

Trenne die Erde vom Feuer, das Subtile vom Dichten, schrittweise und mit großem Verstand. Wenn man die Elemente schrittweise nach Dichtigkeit trennt, dann entsteht auf diese Weise
folgende Reihenfolge: Erde (das ist das dichteste Elemente), Wasser, Luft und schließlich Feuer.
In der Alchemie gibt es darüber hinaus auch noch ein ganz eng verwandtes System, das aber im Gegensatz zur Vier-Elemente-Lehre mit nur drei Prinzipien auskommt – mit Salz, Quecksilber
und Schwefel:

– Sulphur bzw. Schwefel steht für das Feurig-Flüchtige.

– Mercurius bzw. Quecksilber steht für das Wässrige, das nicht brennt und das kein großes Beharrungsvermögen besitzt.

– Sal bzw. Salz steht für das Erdigfeste und Unbewegliche.

Wenn wir die antike Vier-Elemente-Lehre vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus betrachten, dann mag sie uns heute vorkommen wie eine naive Vorstellung aus längst vergangenen Zeiten. In der Chemie sind inzwischen mehr als hundert Elemente bekannt – aber gerade diese vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde sind gar nicht dabei. Nach der heutigen Definition ist Feuer gar kein Element, sondern ein chemischer Prozess. Luft ist ein Gemisch aus Stickstoff, Sauerstoff und einigen anderen Gasen. Wasser ist eine Verbindung aus denn Elementen Wasserstoff und Sauerstoff. Und Erde besteht aus ganz vielen unterschiedlichen Stoffen. Auch die Lehre von den vier Temperamenten oder von den vier Säften entspricht heute nicht mehr dem  aktuellen Wissenstand.

Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage: Warum sollten wir uns heute als moderne Menschen noch immer mit dieser alten Lehre beschäftigen, die doch eigentlich in naturwissenschaftlicher Hinsicht vollkommen veraltet ist?

 

Die spirituelle Bedeutung der Vier-Elemente-Lehre

Die Menschen der Antike haben diese Lehre nicht nur in einem naturwissenschaftlichen Sinne  verwendet, um die stofflichen Grundbestandteile der natürlichen Dinge zu beschreiben, sondern sie haben die Elemente darüber hinaus auch in einem übertragenen bzw. allegorischen Sinne genutzt, um seelische und spirituelle Zusammenhänge darzustellen. Und in diesem übertragenen bzw. allegorischen Sinne ist die Vier-Elemente-Lehre noch immer anwendbar.

Sie ist vor allem dann wichtig, wenn man die religiösen Lehren verstehen will (wie z.B. das Christentum), die aus der Antike stammen und die sich immer wieder auf diese Vier-ElementeLehre beziehen.

Im ersten Moment mag man sich denken: Was hat die griechische Vier-Elemente mit dem Christentum zu tun, das doch eigentlich aus der jüdischen Tradition stammt? Das sind doch eigentlich zwei ganz verschiedene Traditionen.

Die jüdisch-christliche Theologie und die griechische Naturphilosophie sind aber tatsächlich sehr viel enger miteinander verwandt, als es zunächst erscheint. Über die Jahrhunderte gab es vielfältige Kontakte und Berührungspunkte zwischen beiden Kulturen. Das begann schon in der Zeit des Babylonischen Exils (598 v. Chr – 539 v. Chr.) und setzte sich fort bei den Essenern und Therapeutae (wo pythagoreische Ideen ins Judentum einflossen) bis hin zum hellenistischen Judentum in Ägypten, wo sich die griechische und jüdische Traditionen wieder begegneten.

Besonders Philon von Alexandria sei in diesem Zusammenhang erwähnt. Er lebte um die Zeitenwende herum – unmittelbar vor der Entstehung des Christentums – und verband die jüdische Theologie mit der Ideenlehre des Platon, der Zahlensymbolik der Pythagoreer und der Sittenlehre der Stoiker. Auch die späteren Kirchenväter knüpften immer wieder an griechische Ideen an (z.B. Augustinus und Clemens von Alexandria).

In der jüdischen Tora können wir auch etliche Bezüge zur Vier-Elemente-Lehre wiederfinden, z.B.

– wenn der Geist Gottes über dem „Wasser“ schwebt

– wenn am dritten Schöpfungstag „Wasser“ und „Erde“ voneinander getrennt werden

– wenn dem Mensch aus „Erde“ der Atem Gottes eingehaucht wird

– wenn es heißt, dass man sich die „Erde“ untertan machen soll

– wenn Gott durch einem brennenden Dornbusch zu Moses spricht

– wenn Moses bzw. Aaron die Hand bzw. den Stock über die „Erde“, über das „Wasser“ und in die „Luft“ halten, um die Plagen auszulösen

– wenn Moses das „Wasser“ durchquert und wenn die Ägypter im „Wasser“ umkommen

– wenn die Israeliten auf ihrer Wanderung nachts von einer Feuer-Säule geleitet werden

– usw.

 

Wenn wir nun berücksichtigen, dass „pneuma“ im Griechischen sowohl Geist als auch Atem bedeutet und dass wir mit dem Atem eine Entsprechung für das Luft-Element haben, können wir feststellen, dass alleine schon in diesem in einen Satz drei Elemente genannt werden, nämlich Wasser, Luft und Feuer. Zwei dieser Elemente begegnen uns auch in der Aussage von Jesus:

„Es sei denn dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Joh. 3,5)

 

Es geht hier nicht nur darum, dass die Begriffe Feuer, Luft, Wasser und Erde in der Bibel erwähnt werden – das wäre an sich noch nicht besonders signifikant, denn es handelt sich schließlich um ganz alltägliche Dinge –, sondern es geht darum, dass diese Begriffe im Rahmen der Vier-Elemente-Lehre auch eine übertragene Bedeutung haben. Und man kann diese Bibelstellen tatsächlich auch entsprechend dieser übertragenen Bedeutung interpretieren.

 

Die übertragene Bedeutung der vier Elemente

Erde steht für alles Materielle. Dazu gehören die uns umgebende materielle Welt und natürlich auch unser Körper, mit dem wir uns in dieser materiellen Welt bewegen.

Wenn es heißt „macht euch die Erde untertan“, dann kann man das durchaus auch in diesem Sinne interpretieren.

Wasser hat sehr unterschiedliche Aspekte. Einerseits steht es für Empfindungen und Emotionen, denn an vielen starken Emotionen sind Flüssigkeiten beteiligt (z.B. Tränen, Schweiß, Blut …).  Durch das „Dahinfließen“ steht es aber auch für die Zeit. In der Antike gab es Wasseruhren, und so sagt man auch heute noch, dass die Zeit „verrinnt“. Weiterhin lässt Regen die Pflanzen wachsen und ermöglicht damit Leben, Wachstum und Entwicklung. Wasser hat aber auch eine spiegelnde Wirkung. Man spricht von einem „Wasserspiegel“. Wenn wir über einen See blicken, dann sehen wir, wie sich die Dinge oberhalb des Sees nach unten hin im See widerspiegeln. In der Antike gab es die Vorstellung, dass die materiellen Dinge in einer ganz ähnlichen Weise auch das Spiegelbild einer höheren, geistigen Wirklichkeit sind.

Luft versinnbildlicht geistige Ideen, Gedanken und Prinzipien, die man ebenso wie die Luft nicht greifen kann.

Diese Dreiheit von Erde, Wasser und Luft könnte man auch als eine Entsprechung für die Dreiheit des Menschen aus Körper, Seele und Geist interpretieren: die Erde entspricht dem Körper, das Wasser der Seele und die Luft dem Geist. Im biblischen Kontext begegnen uns sehr häufig auch die Begriffe Fleisch, Blut und Atem, um diese drei Anteile zu bezeichnen:

– Im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Geburt aus Wasser und Geist werden z.B. anschließend auch die Fleischgeborenen erwähnt.

– Zum Thema Blut und Seele heißt es bei 5. Mose 12,23: „Allein merke, dass du das Blut  nicht essest, denn das Blut ist die Seele …“

– Der Zusammenhang von Atem und Geist ergibt sich im Hebräischen durch die doppelte Bedeutung des Wortes „ruach“, das sowohl Atem als auch Geist bedeutet. Den gleichen Zusammenhang  gibt es (wie schon erwähnt) bei dem griechischen Wort „pneuma“ und auch beim lateinischen „spiritus“. Im Deutschen gibt es das alte Wort „Od“ bzw. „Odem“, das ebenfalls diese doppelte Bedeutung hat.

 

Bezogen auf unseren Körper steht also das „Fleisch“ für den Erd-Anteil, das „Blut“ für den Wasser-Anteil und der „Atem“ für den Luft-Anteil. Es gibt aber auch Stellen in der Bibel, wo zwischen Wasser und Blut unterschieden wird, z.B.

1. Joh. 5,6 Dieser ist’s, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus; nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut.

Vermutlich sollen damit (wie auch bei der Verwandlung von Wasser in Wein in Joh. 2,7) zwei unterschiedliche Qualitäten von seelische Äußerungen unterschieden werden – rein emotionale (durch Wasser) und solche, die auch spirituelle Motive und Aspekte enthalten (durch Blut).

Nun zum Element „Feuer“, das oftmals eine Sonderrolle spielt, weil es auf die anderen drei Elemente einwirkt. Ganz allgemein steht das Element Feuer für den Willen bzw. für eine Kraft, die uns antreibt.

– Es gibt auf der körperlichen Ebene einen Antrieb nach Nahrung, Fortpflanzung und materieller Sicherheit. Wenn diese Kraft zu stark wird oder wenn sie sich verselbstständigt, dann führt sie  möglicherweise aber auch zu Völlerei, Wollust und Habgier. Solche körperlichen Leidenschaften sind ein ganz typischer Aspekt der Feuer-Symbolik.

– Daneben gibt es auch einen seelischen Antrieb z.B. nach Anerkennung und  Gerechtigkeit. Auch diese Kraft kann umschlagen, so dass sie zu Hochmut und Rachsucht führt. Ein anderer Anrieb auf der seelischen Ebene wäre im positiven Sinne die Begeisterung (die man z.B. für ein Thema haben kann)  – im negativen Sinne die Verblendung.

– Und es gibt eine geistige Kraft, die uns vorantreibt und die uns zur Erkenntnis führt. In  diesem geistigen Zusammenhang ist auch noch eine andere Eigenschaft des Feuers von Bedeutung: Das Feuer gibt uns Licht und ermöglicht uns damit das Erkennen. Es gibt uns den „Funken den der Inspiration“, die „zündende Idee“ und den „Geistesblitz“.

 

Das Element Feuer kann also sehr unterschiedliche Bedeutungen haben – sowohl positive als auch negative. Und so kann das Feuer einerseits für das „göttliche Feuer“ stehen und andererseits auch für das „Höllenfeuer“, das uns quält.

Die Beherrschung des Feuers hat also auch im übertragenen Sinne eine ganz wichtige Funktion für unsere menschliche Entwicklung bzw. für die Entwicklung unserer Menschlichkeit.

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